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Der Teufel in mir: Die moderne Exorzismuspraxis

Der Exorzismus, ein Relikt des Glaubens, erlebt heute ein überraschendes Comeback. In einer Welt der Wissenschaft und Rationalität stellt sich die Frage: Warum?

Von Laura Webber12. Juli 20265 Min Lesezeit
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Der Exorzismus, ein Relikt des Glaubens, erlebt heute ein überraschendes Comeback. In einer Welt der Wissenschaft und Rationalität stellt sich die Frage: Warum?

ERFURT, 12. Juli 2026Eigener Bericht

Was ist ein Exorzismus und woher kommt er?

Exorzismus ist ein faszinierendes Phänomen, das sich durch die Jahrhunderte und Kulturen zieht. Ursprünglich aus religiösen Überzeugungen hervorgegangen, handelt es sich um die Praktik, einen vermeintlich besessenen Menschen von bösen Geistern oder dämonischen Einflüssen zu befreien. Das rituelle Spektakel, oftmals begleitet von Gebeten und heiligen Symbolen, hat sowohl in der katholischen Kirche als auch in vielen anderen Glaubensrichtungen einen Platz. Erstaunlicherweise ist das Interesse an solchen Praktiken in der heutigen Zeit wieder gestiegen – eine Entwicklung, die selbst Wissenschaftler und Psychologen ins Grübeln bringt.

Die Wurzeln des Exorzismus reichen bis in die Antike zurück, wo solche Rituale oft eine Mischung aus Medizin und Spiritualität waren. Im Christentum wurden sie in den Evangelien beschrieben, und im Laufe der Jahrhunderte gab es immer wieder Berichte über „besessene“ Menschen, die durch Exorzismen geheilt werden sollten. In einem Zeitalter, das von medizinischen Fortschritten und rationalem Denken geprägt ist, könnte man annehmen, dass solche Praktiken der Vergangenheit angehören. Doch Fehlentwicklungen in der psychischen Gesundheit und die wachsende Verzweiflung vieler Menschen sorgen dafür, dass der Exorzismus in bestimmten Kreisen wieder en vogue ist.

Warum erleben wir ein Comeback des Exorzismus?

Die Frage des Comebacks des Exorzismus ist ebenso vielschichtig wie verwirrend. Um es einfach auszudrücken: Die moderne Gesellschaft ist von Unsicherheiten geprägt, und der Wunsch nach Antworten – nach einer Art von Kontrolle über das Unbekannte – führt viele zurück zu ihren Wurzeln. In einer Welt, die von Überwachung, sozialen Medien und ständiger Veränderung geprägt ist, scheinen alte Riten eine Form von Stabilität zu bieten. Man könnte sagen, es ist die Flucht in das Spirituelle, wenn das Materielle nicht mehr tröstet.

Zusätzlich kommen psychologische Faktoren ins Spiel. Der Druck des modernen Lebens kann dazu führen, dass Menschen in schwierigen Zeiten nach nicht-traditionellen Lösungen suchen. Wenn medizinische Antworten nicht befriedigen oder sogar frustrierend sind, ist die Vorstellung, dass eine „äußere Macht“ die Probleme verursacht, verlockend. In dieser Hinsicht wird der Exorzismus zu einem letzten Rettungsanker für viele, die in einer Welt voller Glaubenskrisen und Identitätsfragen nach einer Antwort suchen.

Wer führt heute Exorzismen durch?

Ein weiterer wichtiger Punkt in dieser Diskussion ist die Frage, wer heute Exorzismen durchführt. In der römisch-katholischen Kirche gibt es spezielle Priester, die für diese Praktiken ausgebildet sind, oft als Exorzisten bezeichnet. Diese Ausbildung ist formalisiert und unterliegt strengen Richtlinien. Damit wird sichergestellt, dass nur die am besten geeigneten Personen diese oft heikle und intensive Arbeit verrichten. Aber auch außerhalb dieser religiösen Institutionen gibt es zahlreiche Selbsternannte, die von ihren eigenen Überzeugungen geleitet werden. Dies ist amüsant, wenn man bedenkt, dass das Spektrum von professionellen bis zu fragwürdigen Exorzistischern reicht, die oft mit einer Mischung aus Geschäftssinn und Glauben agieren.

Die moderne Technologie hat diesen Trend ebenfalls beeinflusst. Es gibt mittlerweile Online-Kurse und Webinars, in denen Menschen lernen können, wie man Exorzismen durchführt, und das in einer Zeit, in der man kaum etwas für seine eigene Spiritualität bezahlen muss. Gleichzeitig kann das Internet auch die Verbreitung von Betrug und Scharlatanerie fördern. Man denke nur an die gut gemeinten, aber fragwürdigen Praktiken, die oft mehr schaden als nützen. Hier ist nicht das Böse, sondern das Unverständnis der Menschheit in den Fokus zu rücken.

Wie sieht ein moderner Exorzismus aus?

Ein Exorzismus heute könnte auf den ersten Blick wie ein Überbleibsel aus einem Horrorfilm wirken. Doch die Realität ist oft viel weniger dramatisch. Der Ablauf kann stark variieren, je nach dem Glauben und den Überzeugungen der Beteiligten. Oft beginnt er mit Gebeten, gefolgt von der Anwendung heiliger Wasser oder Öle, und kann möglicherweise auch lautes Anordnen in einem anmaßenden Tonfall beinhalten. Manchmal sind die Möblierungen sogar schwieriger zu verstehen und nicht zuletzt deshalb so umstritten.

Es gibt Berichte von Exorzismen, die in einem vertraulichen Rahmen durchgeführt werden – oft in den eigenen vier Wänden, wo die Grenzen zwischen vertraut und unheimlich verschwommen scheinen. Die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft kann auch eine wichtige Rolle spielen, da sie den Rahmen für das Ritual schafft. Das Hinzufügen von Musik, Gesang oder sogar Tanzen ist ebenfalls nicht unüblich, was den Exorzismus weniger wie einen Prozess des Schreckens erscheinen lässt, sondern mehr wie eine Art spirituelle Feier.

Was sagt die Wissenschaft zu Exorzismen?

Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat natürlich ihre eigene Meinung zu diesen Praktiken. Psychologen und Psychiater sind sich in der Regel einig, dass viele der Symptome, die oft als „Besessenheit“ bezeichnet werden, rein psychologischer Natur sind. Schizophrenie, bipolare Störungen und andere psychische Erkrankungen können ähnliche Symptome hervorrufen, die dann fälschlicherweise als übernatürlich interpretiert werden. Dies wirft die Frage auf, ob Exorzismen mehr schaden als nützen – insbesondere wenn sie dazu führen, dass Menschen von der notwendigen medizinischen Behandlung abgehalten werden.

Gleichwohl gibt es unter Wissenschaftlern auch Raum für Faszination. Die Strukturen, die diesen Praktiken zugrunde liegen, und die kulturellen Bedeutungen, die sie tragen, sind nicht zu vernachlässigen. Ein Exorzismus kann als ein kulturelles Ritual betrachtet werden, das bestimmte gesellschaftliche Werte und Ängste widerspiegelt. In diesem Sinne ist die Auseinandersetzung mit dem Exorzismus nicht nur eine Auseinandersetzung mit dem Übernatürlichen, sondern auch mit den menschlichen Ängsten und der Suche nach Sinn in einer ungewissen Welt.

Wie passt der Exorzismus in die heutige Gesellschaft?

In einer Welt, in der die Grenzen zwischen Wissenschaft und Glauben immer mehr verschwimmen, nimmt der Exorzismus einen bemerkenswerten Platz ein. Er steht im Spannungsfeld zwischen traditioneller religiöser Praktik und dem modernen Bedürfnis nach spiritueller Erfahrung. Es ist nicht unerheblich, dass in manchen Kulturen Exorzismen nicht nur als Therapieform, sondern auch als Familienritual gelten. Man könnte annehmen, hier erfolgen Heilungsprozesse, die weit über das Physische hinausgehen.

Die Medien haben zudem ihren Teil dazu beigetragen, das Bild des Exorzismus zu formen. Filme und Bücher, die sich mit dem Thema befassen, schaffen ein faszinierendes Narrativ, das viele Menschen anzieht. „Der Exorzist“ ist längst zu einer kulturellen Referenz geworden und hat eine ganze Reihe von Mythen und Missverständnissen über dieses Thema genährt. In diesem Kontext wird der Exorzismus nicht nur als religiöse Praxis gesehen, sondern als eine Art kulturelles Phänomen, das tief in den menschlichen Erfahrungen verwurzelt ist.

Fazit der Exorzismus im 21. Jahrhundert

Der Exorzismus, ein uraltes Ritual, hat es geschafft, sich in einer modernen Welt zu behaupten, die oft von Skepsis geprägt ist. Die Frage bleibt, ob diese Praktiken tatsächlich heilende Wirkung haben oder ob sie nicht mehr als eine Flucht vor der Realität sind. Eines ist sicher: In einer Welt, die oft von Zweifeln und Ängsten geprägt ist, bleibt der Exorzismus ein faszinierendes und kontroverses Thema, das uns sowohl über uns selbst als auch über unseren Glauben an die übernatürliche Welt aufklärt. Im Licht dieser Überlegungen zeigt sich, dass das alte Ritual des Exorzismus, so veraltet es auch erscheinen mag, nach wie vor eine tiefere Sehnsucht der Menschheit widerspiegelt – die Suche nach Verständnis und Ausgleich in einer chaotischen Welt.

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